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Dienstag, 14. Mai 2013

Mein Leben entrümpeln

Schon ein paar Mal bin ich in diesem Jahr durch die Wohnung, mit einer kleinen Kiste oder dem Mülleimer. Und habe mir ein kleines Eck vorgenommen um alten Muff zu entfernen, Ungeliebtes, Unwichtiges oder Überflüssiges wegzuwerfen. Oder manchmal auch erst in der Kiste in den Keller zu stellen für eine Weile... sehen, ob ich es vermisse (so manches Kleidungsstück zum Beispiel).
Das meiste flog aber direkt raus und das war gut so. Das schafft Platz für Wichtiges, für Geliebtes. Das schafft Raum für Neues.


Heute lief es so richtig gut, einfach so, ganz spontan, ungeplant, und sogar aus einer eher gedrückten Stimmung heraus: ich habe meine Kindheitskuscheltiere entsorgt. In einen Container, sodass vielleicht andere Kinder noch eine Freude daran haben.... und damit das kleine Mädchen in mir wenigstens den Frieden hat, dass sie nicht im Müll landen.
Nur ganz wenige habe ich behalten. Bei den anderen war mir sehr wichtig, dass ich sie sofort zum Container trug. Ich will nicht mehr zuerst an schlechte Dinge denken, an das Wehmütige, wenn ich sie sehe. Ich will die guten Dinge in meinem Herzen behalten! Ich will nicht mehr, dass sich ein innerer Teil von mir an etwas festhaftet, das Vergangen ist. Ich will diesem Teil das geben, was er braucht und was ich ihm jetzt auch geben kann - weil ich erwachsen bin.
Ich will Frieden, ich will Freiheit, ich will Leichtigkeit.
Dazu passt kein Ballast allüberall sichtbar in der Wohnung - oder schlummernd im Keller.


Das nächste Projekt wird sein: Ausprobieren und mehr auf meinen Körper achten. In kleinen Schritten. Dazu mehr in ein paar Tagen.

Freitag, 8. Februar 2013

Dir einen neuen Platz zuweisen...

Lieber Andreas,

ich habe gestern mit einer wunderbaren Frau gesprochen, die sich mit Trauerbegleitung auskennt. Ich sagte ihr, dass ich gelesen habe, dass ich Dir einen neuen Platz in meinem Leben zuweisen muss. Das habe ich gelesen. Nur die Umsetzung ist noch nicht so leicht.... ich weiss nicht recht, WIE.

Sie sagte mir, ich solle mir das wie ein Haus vorstellen. Ein Haus mit verschiedenen Zimmern. Anfangs bist Du immer da, wo das pralle Leben abläuft: im Wohnzimmer, in der Küche zum Beispiel. Immer und überall. Allgegenwärtig. Mit bei Tisch, mit beim Kochen, beim Essen... überall. Irgendwann sitzt Du vielleicht gemütlich im Wohnzimmer auf der Couch, auf der Heizung, auf der Fensterbank. Schaust zu. Nimmst vielleicht nur ab und an "an meinem Leben teil".
Noch ein wenig später bekommst Du vielleicht einen neuen Platz in meinem imaginären Haus (...wer hat schon ein Haus mit so vielen Zimmern zur Hand...). Eine schöne Dachstube zum Beispiel. Doch die Türe steht immer offen. Du kannst jederzeit im Haus Dich frei bewegen.... dabei sein an jedem Ort.
Und noch später, schließe ich vielleicht die Türe, weil ich weiss, Du bist dort gut aufgehoben. Und ich komme zu Dir... um Dich zu besuchen. Und Zeit mit Dir zu verbringen. Natürlich bist Du dennoch in vielfältiger Form bei mir, begleitest und beschützt mich. Aber die Trauer ist nicht mehr so allumfassend und mächtig wie zu Anfang.

Ja, so ungefähr beschrieb sie es mir. Andreas, momentan bist Du noch überall.... im Wohnzimmer, in der Küche, auch in meinem Herzen. Es wandelt sich langsam. Und das ist auch gut so. Vielleicht können wir bald einen Umzug in ein eigenes imaginäres Zimmer in Angriff nehmen. Du und ich. Veränderungen stehen an und ich glaube, ich bin bereit dazu.

Doch zuvor gehe ich Dir morgen erstmal besuchen. Auf dem Trimmpfad im Wald. Das erste Mal ohne Dich.

Danke für die gemeinsame Zeit mit Dir!

C.

Freitag, 11. Januar 2013

Alltägliche Wahrnehmungspsychologie oder: "Das wäre ja zu schön"

Da laufe ich am See spazieren, an meinem bevorzugten Platz - ein Strandbad mit wunderschönem Kinderspielplatz (so schön, dass ich dort gerne mal des sommerlichen Nächtens hin würde mit einem lieben Menschen und unseren inneren Kindern ein bisschen Freiheit gönnen würde).
Ich gehe dorthin, weil es einen Steg gibt der weit ins Wasser führt. Ein bisschen wie auf Rügen im vergangenen Sommer. Und seit Volker und Andreas vorgegangen sind, seither ist das einer meiner Plätze, wo ich beide ganz gut spüren kann. Wind, Wasser, Berge.... freie Sicht, Wellenrauschen.... mal sanftes Plätschern von kleinen Wellchen, mal ordentliche Brandung... mal "Ententeich" und fast schon Stille.
Manchmal haste ich da durch, weil ich sportlich-joggend unterwegs bin, manchmal nordicwalke ich genüsslich.... aber immer gibt es einen kurzen oder längeren Stopp am Wasser.

So. Und nun heute. Das Seltsame!

Mir fällt ein Mann auf - frau würde sagen "im besten Alter". Und seine zwei Kinder, ein Junge im Grundschulalter mit einem Roller. Und ein Mädl, das gerade selbst laufen konnte.... schwer zu sagen, ob schon im Kindergartenalter (ich habe ja eigentlich keine Ahnung von Kindern). Ich musste an M. denken mit J. und A. - seine Kinder in passendem Alter. Man muss dazu wissen, M. habe ich bisher nur gelesen und einmal gehört. Es war der (mutige?) Versuch, wieder als Frau in die Welt raus zu gehen. M. und ich hatten uns gut verstanden beim Schreiben, das Sprechen war auch sehr angenehm. Er erschien mir ausgenommen ehrlich, kann sich gut ausdrücken, hat angenehme Ansichten vom Leben (soweit ich das bisher beurteilen konnte). Und auch seine "Pixelchen" die er mir von sich schickte, die gefielen mir sehr gut (das ist nicht essentiell, aber es ist für mich auch wichtig für Sympathie und mehr).
M. und ich hatten vor uns zu treffen - an einem Ort, den ich vom Steg in besagtem Strandbad sehen kann. Ich dachte just an ihn, an seine Familie, an die Häschen und daran, dass er auch gerne einen Hund hätte. Und ich dachte an seine Worte, als er wenige Stunden vor unserem Treffen absagte. Auch äußerst menschlich und offen. Aber er sagte eben ab. Es gab keine Chance sich kennen zu lernen. Ich kenne nicht die ganz tiefen Gründe. Ich kenne ihn doch nicht! Aber ich hatte ein seltsam gutes Gefühl. Sehr seltsam.
Und dann verliess ich den Steg und damit meine Gedanken an das, was nicht gewesen ist und wohl nicht sein wird. Und dann lief mir dieser Kerl mit seinen Kindern über den Weg. Er, der mir sonst nie aufgefallen wäre. Welch' Wahrnehmungsverengung. :-)

Ich schmunzelte über mich selbst. Und ich schmunzelte über meinen kurzen Anflug von Wahn, dass "er" es ja sein könnte... Quatsch! "Er" und die beiden Kurzen wohnen gute 15km weit weg... dort gibt es bestimmt auch schöne Spielplätze. Warum genau sollten "sie" es sein...

Montag, 17. Dezember 2012

Weiterleben

Weißt Du eigentlich
wie schwer es ist
weiterzuleben
seit Du gegangen bist?


Jedes Mal
wenn ich an Deinem Grab stehe
muss ich daran denken
dass Dein Körper da unten im Dunkel und in der Kälte liegt
und ich muss mir jedes Mal wieder sagen
dass Dein Körper nichts mehr spürt
nichts mehr spüren sollte
weil Deine Krankheit so schlimm für Dich war


So vieles erinnert mich an Dich:
Ziegen
Cajon-Musik
Feuerzeuge
CSS Programmieren
die Weber Bäckerei
der Brugger Wald
Kaffee im Pappbecher
Schokocookies
Nudeln mit Tomatensoße (ich sag's Dir, die will ich auch noch, wenn ich in ungefähr 50 Jahren nachkomme.... wo auch immer wir uns dann wiedersehen)
das Fuck-It Buch
Stachelbeeren
der Kristberg
Misteln


So oft muss ich von jetzt auf gleich weinen
weil Du weg bist
und ich's nicht ändern kann
weil Du fehlst
und ich's nicht ändern kann
weil ich Dich vermisse
und ich's (noch) nicht ändern kann
weil ich so gehofft habe
dass Du es schaffst
DEINEN Weg
ob mit oder ohne mir
Doch ich konnte nichts tun, für Dich, für uns


Ich habe so gehofft, Dich wieder spielen zu sehen.
Ich habe so gehofft, dass Du (wieder) LEBEN lernst.



Lieber Andreas, grüß' mir den Tim, wenn Du ihn triffst. Er spielt auch Cajon!

Sonntag, 4. November 2012

Freiwillig gegangen

Du hast Dich entschieden
Du bist gegangen
in Deine Freiheit

Du hinterlässt ein grosses Loch
weil wir alle um Dich trauern
weil wir es noch nicht begreifen können
weil Du für jeden einzelnen von uns auf Deine Weise wichtig warst
Ich bin so dankbar, dass es Deine Freunde gibt!

Du hast mir soviel gegeben
viel mehr, als Du jemals fühlen konntest
obwohl ich Dir so oft versucht habe, zu sagen, WIE viel Du mir geschenkt hast

Ich wünsche Dir Glück!

Ich hätte Dich so gerne noch einmal spielen gehört... http://www.youtube.com/watch?v=5oThQ3_Z3j8

Samstag, 18. August 2012

Still geworden....

... ist es hier in den letzten Monaten. In meinem Leben ist es alles andere als still: Beruf, Studium, Partnerschaft wollen unter einen Hut gebracht werden. Noch dazu sind zwei nahestehende Menschen sehr krank - einer körperlich, der andere seelisch.

Mir steht kein Urteil zu, was von beidem schlimmer ist: die körperliche oder die seelische Krankheit. Beide haben aber gemeinsam, dass man als Aussenstehende ziemlich machtlos ist.
Und vor allem die körperliche Krankheit zeigt mir...
... dass wir uns viel zu oft viel zu wichtig nehmen
... dass wir Dinge nicht schätzen, für die wir dankbar sein sollten
... dass wir Dinge aufschieben oder unterlassen im Glauben, dass "irgendwann" Zeit dafür sein wird (doch wer kann sich dessen schon sicher sein?)

Sie zeigt mir, dass...
... manchmal Geld oder Macht und Status so wahrgenommen werden, als ginge es um Leben und Tod - dabei bringt weder Geld oder Macht noch Status etwas, wenn der Körper und die Seele nicht gesund sind
... aus einer Kraft aufstehen zu können oder eine leckere Mahlzeit zu sich nehmen zu können und aus ihr Kraft schöpfen zu können Dinge sind, für die ich sehr dankbar sein kann
... wir dem Sprichwort "lebe jeden Tag, als wäre es Dein letzter" jeden Tag beherzigen sollten und ihm zumindest ein klein wenig mehr Gewicht geben sollten

Ich wünsche allen Mitlesenden, meinen Nahestehenden und auch mir ganz viel Kraft. Und vielleicht helfen ja dem ein oder anderen diese Zeilen ein wenig, bringen ins Nachdenken... und ein Stückchen weiter...

In diesem Sinne - es wird wieder lebendiger werden hier. Wenn es an der Zeit ist.